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Cohen, Peter (2004), The social and health consequences of cocaine use. An introduction. Presentation held at the Nationale Designerdrogen- und Kokainkonferenz, 3-4 June, 2004, Kursaal Bern, Bundesamt für Gesundheit, Bern, Switzerland.
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Soziale und gesundheitliche Folgen des Kokainkonsums

Eine Einführung

Peter Cohen

Sehr geehrte Damen und Herren

Jeden Tag, wenn ich auf dem Weg zu meinem Büro bin, laufe ich an einem kleinen Park vorbei. In diesem Park, entlang der Strasse, sehe ich eine Gruppe von Menschen, die sitzen herumstehen oder – liegen, und alle halten Weinflaschen oder Bierdosen in den Händen.

Diese Menschen sind nicht besonders gepflegt gekleidet, manchmal erscheinen sie zerlumpt und einige tragen Frisuren, die einem Urwald ähneln.

Meistens sind sie am Reden. Sie scheinen in recht rege Gespräche verwickelt zu sein. Aber zur gleichen Zeit sitzen einige von ihnen ganz ruhig da und hören zu, sowie einige scheinen sogar zu schlafen. Diese Gruppe ist eine Gruppe von Gassentrinkern, oder „Landstreicher“, sie kennen einander alle und ihr Versammlungsort ist der kleine Park. Es ist offensichtlich, dass sie keine Arbeit haben - zumindest nicht dann, wenn ich sie in der Gruppe sehe. Die Mehrheit von ihnen sind Männer.

Eine weitere häufige Erfahrung die ich mache, ist mit Menschen zu reden, die in der Regel sehr gut gekleidet sind. Dies ist oft in einer netten Umgebung, am Nachmittag, zu Anlässen, die im Holländischen als „Empfang“ bezeichnet werden. Ein Empfang findet zum Beispiel dann statt, wenn sich ein Professor verabschiedet, um an eine andere Universität zu gehen. Ebenso werden Empfänge nach der Verteidigung einer Dissertation gegeben. Während diesen Empfängen stehen die Menschen herum und fast alle halten Gläser, gefüllt mit Rot-, Weisswein oder sogar noch stärkeren Drinks wie Gin oder Whisky in den Händen. Sie lachen, haben heftige Diskussionen oder schlendern still von einer Person zur nächsten. Alle diese Personen haben einen Job. Beide Geschlechter sind etwa zu gleichen Teilen vertreten.

Die zwei eben geschilderten Beobachtungen dienen zur ersten Lektion in der Soziologie des Drogenkonsums. Die Substanz, die in den beschriebenen Situationen eine Rolle spielte, war natürlich Alkohol und das Thema meines heutigen Vortrags, „Kokainkonsum und seine sozialen und gesundheitlichen Folgen“, werde ich entsprechend der Struktur bearbeiten, welche ich anhand dieser zwei Situationen herstellen kann.

Lassen Sie mich mit Folgendem beginnen:

Wenn Sie auf die Frage nach den sozialen und gesundheitlichen Folgen des Alkoholkonsums antworten müssten, welche Antworten kämen jedem einzelnen von Ihnen als erstes in den Sinn?

Jeder von Ihnen würde wahrscheinlich sagen: Welche Art von Alkoholkonsum meinen Sie? Richtig. Um die Frage bezüglich dem Kokainkonsum zu beantworten, stellt sich dieselbe Frage: Welche Art von Kokainkonsum meinen Sie?

Ihr Buch The steel drug beginnen Patricia Erickson und ihre Mitarbeiter damit, aufzuzeigen, dass Kokain in allen sozialen Schichten und Gruppen Amerikas konsumiert wird.

Kokainkonsumierende können in Armen-Ghettos nordamerikanischer Städte, aber genauso in den vornehmen, schicken Vororten oder reichen Wohngegenden gefunden werden. Die Autorin zitiert eine Studie von Wallace, die besagt, dass die meisten Crack-Konsumierenden in dieser Studie aus dysfunktionalen Ghetto-Familien mit beträchtlichen sozialen Problemen (Erickson et al. 1994, 83) [1] stammen. Aber in unseren eigenen Studien zu Kokainkonsum haben wir Crack-Konsumierende gefunden, die eine gute Anstellung hatten, sehr funktionsfähig und vollständig integriert waren (Cohen and Sas 1994) [2] so wie sie Waldorf und Mitarbeiter in ihren Untersuchungen in Kalifornien [3], [4], aber auch die Forscher Reinarman und Levine haben beobachten können,.[5]

Wie können wir uns nun der Frage nach den sozialen und gesundheitlichen Folgen des Kokainkonsums nähern?

Zweite Lektion: Wir müssen uns darauf vorbereiten, dass es keine einfache Antwort auf diese Frage gibt. Ganz offensichtlich sollten wir bereit sein, zu akzeptieren, dass so wie bei den zwei Gruppen von Alkoholkonsumierenden, die ich beschrieben habe, die Antworten auf diese Frage je nach Konsumententyp unterschiedlich ausfallen werden. Sehr vieles hängt ab von 1) der Gruppe, zu welcher der Konsument/die Konsumentin gehört, und 2) dem Konsummuster der Konsumierenden.

Beginnen wir zunächst mit der Gruppe, der ein/e Konsument/in angehört.

In den Jahren vor den Achtzigern erschienen unzählige Studien über Kokainkonsumierende, die in irgendeiner Form unter klinischer Aufsicht standen. So wie es heute in Amsterdam zu beobachten ist, haben viele Opiat-Konsumierende Kokain als ihre Zweit-Droge gewählt oder haben nach einer Zeit des Opiatkonsums ihren primären Opiatkonsum durch primären Kokainkonsum ersetzt.

In Gruppen, in denen Arbeitslosigkeit sowie kriminelles Verhalten die Regel ist und schlechte Wohnbedingungen vorliegen, wo soziale Integration in die dominierende Arbeits- oder Familienkultur schwach ist, wird sich der Kokain-, Alkohol-, oder sonstige Drogenkonsumierende anders Verhalten als ein Konsumierender aus einer anderen Subkultur. Warum sollte man, wenn man nicht arbeiten geht, um 9 Uhr abends aufhören, Kokain zu konsumieren? Wenn du nicht jeden Morgen deinen Chef durch glänzendes Erscheinen beeindrucken musst, sind die kontextuellen Einschränkungen auf dein Zeitmanagement wirklich anders, als wenn du es tun musst.

Wenn man nicht Teil einer Kultur ist, in der man jeden Tag essen bzw. gut essen kann, werden die gesundheitlichen Folgen des Alkoholkonsums, aber auch des Kokains, ganz anders sein, als wenn man gut und regelmässig isst. Bei jemandem der Kokain raucht, um konstant irgendeiner Form von sozialem Elend zu entfliehen, werden die Effekte nach denen er sucht anders sein, als bei jemandem, der Kokain raucht, um in einem sexuellen Abenteuer „abzuheben“ oder exzessive Erfahrungen zu machen.

Scheinbar suchen Menschen bestimmte Wirkungen in Substanzen, die sie manchmal erleben und dann versuchen nochmals zu erleben. Die Arten von Drogeneinwirkung, nach denen Menschen suchen, können - sogar bei derselben Substanz - sehr unterschiedlich sein. Die zwei Typen von Alkohol-Trinkenden, die ich ihnen zu Beginn vorgestellt habe, streben unterschiedliche Wirkungen an. Die Wahl einer bestimmten Wirkung hängt sehr stark von der sozialen Herkunft, aber auch vom jeweiligen Charakter sowie vom Zusammenspiel zwischen Situation und Laune ab.

Nun schauen wir uns das Muster des Konsums einer Droge an.

Unter Konsummuster verstehen wir Werte von Variablen, wie charakteristische Konsummenge, charakteristische Häufigkeit des Konsums und typische Ausmasse der Intoxikation. In der Regel wird auch die Situation, in welcher konsumiert wird, als Teil des Konsummusters definiert.

Beim Alkohol ist uns ein spezifischer Konsumationstyp bekannt, der täglich etwas Alkohol konsumiert, aber in kleinen Mengen und zu einem sehr geringen Grad an Intoxikation oder sogar ohne. Solche Konsumierende gehen nach der Arbeit in eine Bar oder trinken zuhause bei einem Schwatz mit den Kindern. Man könnte diesem Konsummuster eine Bezeichnung geben wie „häufiger Konsum mit Null-Vergiftung“. Dies ist eine sehr neutrale Bezeichnung. Eine andere Möglichkeit ist der tägliche Weintrinker, der seinen Wein sehr sorgfältig und passend zum Tagesessen auswählt und nicht als Mittel zur Rausch. Diesen Weintrinker könnte als „Gourmet-Alkoholkonsumierenden“ bezeichnet werden. Dasselbe gilt für Kokain, wo der Geschmack für Konsumierende zwar auch wichtig sein kann, jedoch auf eine ganz andere Weise als beim Weinkonsumierenden. Ein Kokain-Konsumierender wird den zarten, bitteren Geschmack oder das Frieren unter der Zunge schätzen.

Wir fanden eine grosse Anzahl von Kokainkonsumierenden, welche die Substanz täglich konsumieren, aber nur in sehr geringen Mengen von weniger als 0.5 Gramm wöchentlich und die gerne dieses Frieren erleben oder diese sehr milde „Post Dinner Stimulation“, ziemlich genau wie Menschen, die nach dem Essen gerne Kaffee trinken.

Um dies zu erleben, benötigen sie nur sehr dünne Linien Kokain, auch wenn ihr Wohlstand oder ihr verfügbarer Vorrat an Kokain in ihrer Büroschublade viel grössere Konsummengen erlauben würden.

Wie auch immer, Konsummuster können gelegentlichen Konsum hoher Mengen (normalerweise „binge use“ genannt), sowie häufiger Konsum hoher Mengen, das so genannte „high frequency high intensitiy“ Muster, aufzeigen. Um sowohl die gesundheitlichen als auch die sozialen Folgen des Konsums zu untersuchen, müssen die Konsummuster sehr klar differenziert werden.

Die Geschichte der Folgen:

Betrachtet man das Konsummuster und die soziale oder kulturelle Gruppe zu der ein Konsument/eine Konsumentin gehört, so kann man verschiedene Typen von Kokainkonsum feststellen, bei denen der Konsum fast keine sozialen und gesundheitlichen Folgen hat.

Falls der Kokainkonsum nicht die Ernährung und das soziale Funktionieren, sowohl innerhalb der eigenen Gruppe als auch in der Beziehung zu Aussengruppen beeinträchtigt, werden die sozialen Folgen verschwindend klein.

Indessen ist es möglich, Kokainkonsumierende mit einem täglichen Substanzkonsum zu identifizieren, bei denen die Konsummengen höher oder sehr hoch sind, ein hoher Intoxikationsgrad angestrebt wird und die soziale Gruppe, zu welcher der Konsument gehört, geneigt ist, den sozialen Hintergrund für diese Form des häufigen und intensiven Konsum zu bieten. In diesem Fall werden die sozialen Folgen innerhalb der Gruppe, zu welcher der Konsument gehört, gering sein, jedoch im Bezug auf die Aussengruppen dramatisch negativ ausfallen.

Ein weiterer Aspekt betrifft die Bestimmung der Folgen des Verhaltens aufgrund des Kokainkonsums. Wir alle wissen, dass Sportfans, vor allem wenn es sich um Fussballfans handelt, sehr gewalttätig miteinander umgehen können. Dieses gewalttätige Verhalten wird tendenziell durch Alkoholkonsum verstärkt, dasselbe lässt sich auch über Kokainkonsum sagen. In Gruppen, in denen Gewalt innerhalb der Gruppe akzeptiert oder sogar erwünscht wird, kann das Manifestieren dieses Verhaltens durch Kokain erleichtert werden. Die Folgen für die „in-group“ (Bezugsgruppe) sind in der Regel gering, was jedoch nicht von den Folgen für die Beziehungen zu den Aussengruppen behauptet werden kann. [9]

Aber wir können sowohl beim Alkohol als auch beim Kokain sehen, dass einige Konsumierende die Substanz bis zum Exzess oder sehr häufig konsumieren, sodass sogar die eigene Gruppe solches Verhalten nicht akzeptiert. Wenn dies geschieht, wie dies bei einigen Konsumierenden der Fall ist, werden die sozialen Folgen schwerwiegender sein. Stark Konsumierende werden sich mit grob gestörten sozialen Beziehungen konfrontiert sehen, die manchmal zu sozialer Ächtung und sogar zum Tod führen. Mit grosser Wahrscheinlichkeit werden diese seltenen Konsummuster durch komplexe Probleme angetrieben, welche die „Wahl“ dieser Muster rechtfertigen sollen, obwohl diese Muster sich letzten Endes als sehr kontraproduktiv erweisen können. Sehr oft gibt der Konsument solche extremen Konsummuster auf, sobald er eine Möglichkeit für eine bessere Anpassungsform findet.[9]

Es können jedoch auch ziemlich destruktive soziale Folgen für einen Kokainkonsumierenden entstehen, der überhaupt kein auffallendes Konsummuster aufweist. Stellen Sie sich eine Frau vor, die als eine hoch geschätzte und sehr bekannte Beraterin des Gesundheitsministers lebt. In ihrer Freizeit lädt sie Künstler und Schauspieler zu sich, in ihre sehr schöne Wohnung am Stadtfluss, ein. Es wird Kokain gesnifft und einer der ältesten Gäste macht einen Fehler, snifft zuviel und erleidet einen Herzanfall. Dieser Gast wird ins Spital gebracht und überlebt glücklicherweise seinen Anfall, aber die Geschichte wird in den Zeitungen veröffentlicht. Die Karriere der Beraterin im Gesundheitsministerium ist zu Ende.

Nun lassen Sie mich eine Schlussfolgerung aus all diesen Bemerkungen ziehen, um dann mit der Diskussion/Erörterung einiger Folgen des Kokains aus Selbstberichten von Personen mit unterschiedlichen Konsummustern, zu beginnenn. Die Beantwortung der Fragen nach den gesundheitlichen und sozialen Folgen des Kokainkonsums ist nicht möglich, wenn man nicht vorher definiert:

  • Den kulturellen Hintergrund der jeweiligen Konsumierenden
  • Den sozialen , kulturellen und vor allen Dingen ökonomischen Kontext der jeweiligen Konsumkarriere
  • Die spezifischen Funktionen des Kokainkonsums für einen bestimmten Konsumenten
  • Wie gut es den Konsumierenden gelingt, Fehler vorzubeugen, sowohl in Situationen in denen Kokain vor anderen konsumiert wird, als auch in Bezug auf den Intoxikationgrad oder auf Mischkonsum mit anderen Substanzen

Selbstberichtete Wirkungen/Effekte auf gesundheitliche und soziale Situationen

Im Jahre 2000 hat Tom Decorte, ein belgischer Kriminologe, seine Arbeit über Konsummuster und Konsumkarrieren von Kokainkonsumierenden veröffentlicht. Seine Befragten hatte er aus der riesigen Nachtclubszene Antwerpens aber auch aus den Randgebieten dieser Stadt rekrutiert. [6]

Analog zu unseren eigenen Studien über Kokainkonsumierende hat Decorte seine Ergebnisse mit jenen anderer Forschenden verglichen, die die meisten ihrer untersuchten Kokainkonsumierenden aus den vorherrschenden kulturellen Gemeinschaften ihrer jeweiligen Städten rekrutiert hatten.

Hier möchte ich Ihnen einige Schlussfolgerungen Decortes präsentieren anstatt lange Listen von körperlichen sowie psychologischen Effekten aufzuzählen.

Solche langen Listen über Effekte können in allen von mir zitierten Quellen gefunden werden. Aber was zählt, ist die Interpretation dieser Listen.

Decorte sagt, dass „alle unsere Daten und die Daten aus anderen grösseren Stichproben zeigen, dass Kokain ein breites Spektrum positiver Effekte für jene Konsumierenden hat, die Kokain nur mässig konsumieren: mehr Energie, intellektuelle Fokussiertheit, gesteigerte Empfindungen und grössere Geselligkeit und soziale Intimität. Soziale, sexuelle und rekreative (Freizeit-) Aktivitäten, sowie die Arbeit werden „belebt“ und viele der Befragten konsumieren die Substanz nicht nur zum Vergnügen, sondern auch auf eine produktive Art und Weise“ (Decorte 2000, p.260)

„Für gewöhnlich nehmen Gesundheitsexperten, Exekutivorgane, Politiker und Medien die Haltung ein, dass verbotene Substanzen auf die Dauer nur ungünstige Effekte haben können… Entgegen diesem offiziellen Diskurs zeigen die Berichte unserer Befragten, dass die bereits gut bekannten, ungünstigen Effekte oft als leichte Beschwerden erfahren werden und dass das Ausmass des Konsums (einschliesslich der Dosis und Häufigkeit des Konsums) sowie Setting-Faktoren einen massgebenden Einfluss auf das Gleichgewicht zwischen positiven und negativen Erfahrungen mit Kokain ausüben“ (Decorte 2000, p.261)

Für den kanadischen Forscher Erickson sind Halluzinationen und Paranoia die interessantesten negativen Effekte von Kokain. Deshalb hat sie sich für die Untersuchungen dieser Effekte entschieden. Sie fand, dass sogar diese scheinbar unvermeidbaren pharmakologischen Wirkungen gar nicht absolut unvermeidbar sind. Der Verfolgungswahn tendiert abzunehmen oder sich gar nicht zu manifestieren, wenn die Betroffenen eine grössere Anzahl kokainkonsumierender Freunde haben und Halluzinationen kovariierten mit der Anwesenheit anderer Personen während des Konsums sowie mit niedriger Häufigkeit des Konsums (Ericson et al., 19994 p.209)

Daraus sollten wir den Schluss ziehen, dass die meisten der negativen Effekte immer durch positive Effekte ausgelöst werden und dass der Kosten-Nutzen-Vergleich für die Mehrheit der Kokainkonsumenten dazu neigt, positiv aufzufallen. Auf der anderen Seite kommen ungünstige Effekte immer vor und der einzige Weg, auf die Schwere dieser Effekte Einfluss zu nehmen, besteht darin, die Konsummuster in einem sozialen Rahmen zu ermöglichen.

Soziale Ausgrenzung und Marginalisierung sind für alle Drogenkonsumierenden die schlimmsten Rahmenbedingungen, und manchmal konsumieren Menschen Substanzen auf eine Art und Weise und in Mengen, die diese ungünstigen Rahmenbedingungen unbeabsichtigt schaffen. Anderseits werden soziale Ausgrenzung und Marginalisierung oft aktiv verstärkt durch unsere Politik und die Betreuungsinstitutionen. Die beste Schadenminderung und Verbrechensreduktion, die von man erbringen kann, besteht darin, der Marginalisierung und der Ausgrenzung von Drogenkonsumierenden entgegen zu wirken, auch wenn dies bedeutet, dass die Substanzen, die diese Konsumierenden (noch) gerne konsumieren, zu einem vernünftigen Preis zur Verfügung gestellt werden. Meiner Ansicht nach ist der tägliche und regelmässige Konsum, der unter bestimmten Umständen als Abhängigkeit [7], [8] bezeichnet wird, für Menschen viel weniger gefährlich als die soziale Ausgrenzung.

Eine fortschrittliche Drogenpolitik sollte sich viel mehr mit der Ausgrenzung infolge Drogenkonsums beschäftigen als mit dem Drogenkonsum per se.

Noten

  1. Erickson, Patricia, et al (1994), The Steel Drug. Cocaine and crack in perspective. 2nd Edition. New York : Lexington Books.
  2. Cohen, Peter, & Arjan Sas (1994), Cocaine use in Amsterdam in non-deviant subcultures. Addiction Research, Vol. 2, No. 1, pp. 71-94.
  3. Waldorf, D., C. Reinarman, and S. Murphy (1991), Cocaine changes. The experience of using and quitting. Philadelphia : Temple University Press.
  4. Waldorf, D. (1977), Doing coke: An ethnography of cocaine users and sellers. Washington : Drug Abuse Council.
  5. Reinarman, C., and H. Levine (1997), Crack in America. Demon Drugs and Social Justice. Berkeley : University of California Press.
  6. Decorte, T. (2000), The taming of cocaine. Cocaine use in European and American cities. VUB University Press.
  7. Peele, S., and R. DeGrandpre (1998), Cocaine and the Concept of Addiction: Environmental Factors in Drug Compulsions. Addiction Research , 6:235-263.
  8. Cohen, P., (2004), Bewitched, bedeviled, possessed, addicted. Dissecting historic constructions of suffering and exorcism. Presentation held at the London UK Harm Reduction Conference, 4-5 March 2004. Amsterdam : CEDRO.
  9. Unsere Institutionen, die solche Konsumierende betreuen, könnten dabei eine bedeutsame und positive Rolle spielen, wenn sie bereit wären, den von Konsumierenden wahrgenommenen Nutzen dieses Konsummusters von Beginn ihrer Begleitung an zu akzeptieren.

 

Ich danke prof.dr. Nicholas Grahame (Dept Psychiatrie Universität Indiana) für seine Kommentare.

Last update: February 9, 2010